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Wie smart sind deutsche Neo-Broker für Schweizer?

 

Wer sich mit Sparplänen befasst, der stösst immer wieder auf deutsche Neo-Broker wie Trade Republic, Scalable Capital, Smartbroker oder den kostenlosen US-Broker Robinhood

Interview mit Andreas Friedrich, Pressesprecher der TRADE REPUBLIC BANK GMBH

 

Mit Deutschlands erstem mobilen und provisionsfreien Broker haben Sie viele Kundinnen und Kunden zum Wechsel oder überhaupt zum Investieren gebracht. Wie viele Kundinnen und Kunden haben Sie seit dem Launch vom Mai 2019 gewinnen können?

Wir freuen uns über jeden neuen Kunden und insbesondere darüber, dass etwa die Hälfte unserer Kunden über uns ihre erste Aktie überhaupt gekauft haben. Das zeigt, dass viele Menschen, denen der Handel mit Wertpapieren bisher zu kompliziert bzw. zu teuer war, durch unser Angebot nun den Weg an den Kapitalmarkt finden. Wir durften weniger als ein Jahr nach Marktstart bereits über 150'000 Kunden in der Trade Republic begrüssen.

 

Nach der Ankündigung, dass Sie den Markteintritt in Österreich planen, fragen sich hier viele, wann denn die Schweiz an der Reihe ist. Gibt es entsprechende Pläne bei Trade Republic?

Es gibt noch keine konkreten Pläne für einen zeitnahen Start in der Schweiz.

 
Welche Neuerungen/Entwicklungen stehen nach der grossen Finanzierungsrunde an?
Wir wollen als Unternehmen weiter wachsen und neben der Expansion in neue Länder stehen vor allem neue Produkte im Fokus, mit denen wir unsere App für unsere Kunden v.a. im Bereich Sparen noch attraktiver machen wollen.

Bei den meisten Anbietern können Schweizerinnen und Schweizer kein Konto eröffnen, so ist die Eröffnung bei Trade Republic nicht möglich. Nicht so bei Smartbroker: Hier sind auch Schweizer Staatsbürger willkommen. Wie sich der günstige Broker mit den interessanten Sparplanangeboten schlägt, erfährst du hier.

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Smartbroker

Im Dezember 2019 hat wallstreet:online bekannt gegeben, dass sie unter dem Namen Smartbroker Kunden den Handel von Wertpapieren an allen gängigen Börsenplätzen zu Discount-Konditionen anbietet. Zu der wallstreet:online Gruppe gehören ausserdem die Portale ariva.de, FinanzNachrichten.de und börsenNEWS.de. Sie ist somit Marktführerin im Bereich Finanzinformationen.

Als Depotführende Bank agiert DAB BNP Paribas. Die Direkt Anlage- und Vermögensverwaltungs-GmbH wurde 1994 als erster deutscher Discountbroker gegründet und nahm im selben Jahr den Geschäftsbetrieb als Direkt Anlage Bank GmbH (DAB) auf. Die französische Grossbank BNP Paribas übernahm 2015 die DAB Bank. Die Einlagen sind durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zu EUR 100'000 pro Kunde geschützt.

 

Smartbroker präsentiert sich folgendermassen: "Mit über 20 Jahren Erfahrung haben wir einen Broker entwickelt, der auf die Bedürfnisse der Anleger zugeschnitten ist. Die Zeit ist reif für unkompliziertes Trading." Solche Versprechen laden zum Testen ein und das habe ich für euch natürlich auch getan. 

Kosten

Hier beginnt es nun interessant zu werden. Denn der Broker bietet kostenfreie Fondssparpläne an. Es fallen also keine Sparplankosten und keine Ausgabeaufschläge an. Für uns Schweizer unvorstellbar. Eine Ausführung ist bereits ab EUR 25 möglich. Als Intervall kann monatlich, zweimonatlich, vierteljährlich oder halbjährlich angewählt werden. 

 

Auch rund 600 ETF sind sparplanfähig. Eine Ausführung kostet nur 0.20% (mindestens EUR 0.80). 279 ETFs sind während dem Aktionszeitraum sogar komplett kostenlos. Auch hier sind die Intervalle wie oben möglich und eine Ausführung ab EUR 25.

 

ETC- und Aktiensparpläne sind auch möglich. Weitere Informationen dazu und die sparplanfähigen Fonds und ETFs findest du hier.

Der Handel von Schweizer Wertpapieren an der Schweizer Börse lohnt sich übrigens nicht. Die Gebühren sind dort bei Smartbroker recht hoch. So bezahlst du eine Basisprovision je Order von EUR 9.00 und zusätzlich ein Handelsplatzentgelt von 0.05% bez. mindestens CHF 20.00.

Mit Swissquote fährst du da günstiger.

 

Etwas speziell ist das Verwahrentgelt. Dies beträgt derzeit 0,5% p.a. ab einer Cash-Quote in Höhe von 15% im Verhältnis Depotbestand zu Cashbestand. Zur Berechnung dieser negativen Verzinsung wird der jeweilige Durchschnitt der Salden im Quartal zugrunde gelegt. In den ersten drei Monate ab Eröffnung wird auf das Verwahrentgelt verzichtet. USD-Konten sind davon auch ausgenommen. Bei Beträgen in Schweizerfranken fallen aber sogar 0,75% p.a. an. Viel Bargeld auf den Konten bei Smartbroker zu horten ergibt aber eh keinen Sinn. Entweder du investierst es direkt oder behältst es noch auf deinem Spar- oder Lohnkonto.

 

Eine App gibt es leider noch nicht. Du kannst aber den vollen Funktionsumfang auch über deinen Browser auf dem Smartphone abrufen und nutzen.

Erföffnung

Vorneweg: Die Eröffnung ist extrem unsmart! Die ersten Schritte funktionieren digital. Wie überall gibst du deine persönlichen Daten sowie Informationen zur beruflichen Tätigkeit ein. Beim Eröffnungsprozess wird öfters nach der Steuer ID 1 (TIN) gefragt. In der Schweiz entspricht dies der AHV-Nummer. Auch gibst du deine Erfahrungen mit Finanzinstrumenten an.

Ausserdem kannst du anwählen, ob du auch gleich ein oder mehrere Fremdwährungskonten eröffnen willst. Ich empfehle dir zumindest ein CHF-Konto zu eröffnen, für Überweisungen aus der Schweiz sicher eine gute Idee und kostenlos ist es eh.

 

Soweit so gut. Aber als Schweizer muss man zusätzlich eine FATCA-Selbstauskunft ausfüllen. Das ist ein PDF-Formular, welches man am Computer ausfüllen kann. Dann wird es ausgedruckt, unterschrieben, eingescannt und per Mail gesendet. Zusätzlich braucht es eine amtliche Meldebescheinigung. In Zürich heisst die Wohnsitzbestätigung und kostet CHF 20.00. immerhin kann man die bei der Stadt digital anfordern. Ausgeliefert wird sie aber analog, also wieder einscannen und per Mail senden

Schliesslich muss man sich per PostIdent-Verfahren identifizieren. Dazu wird eine App heruntergeladen. Du gibst noch einmal gewisse Daten ein und schliesslich führt ein Agent per Videotelefonie durch die nächsten Schritte. Von deiner Identitätskarte und von dir werden Fotos erstellt. Sobald die Identifizierung abgeschlossen ist, werden die Unterlagen der Depotbank DAB BNP Paribas weitergeleitet.

Eröffnungsprozess bei Smartbroker; Angabe der steuerlichen Ansässigkeit
Hier kannst du deine AHV-Nummer hinschreiben

Und dann heisst es warten. Warten auf ulkige Briefe der Depotbank DAB BNP Paribas. Nach einer Woche kam ein Brief mit der Zugangsnummer für den Online-Zugang. Wenige Tage später kam ein Brief mit der Bestätigung der Depotkonto-Eröffnung. Diesem Brief war eine CD-Rom beigelegt mit den „Basisinformationen über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“. Falls man keine Möglichkeiten habe die Inhalte der CD-Rom abzurufen, solle man sich bitte vertrauensvoll an seinen Finanzberater (in diesem Falle Smartbroker) wenden um die Informationen in schriftlicher Form zu erhalten. Eine CD-Rom per Post - ich fühlte mich wie im Museum.

Also am Onboarding-Prozess gibt es noch einiges zu verbessern. Lieber Smartbroker und liebe DAB BNP Paribas schaut euch doch bitte dringend Schweizer Fintechs wie Viac, Selma Finance oder Neon an - danke. 

Einloggen

Auch das erstmalige Einloggen mutet aus der Steinzeit des Internets an. Auf dem Brief von DAB BNP Paribas ist ein Identifier, ein SuperPIN und ein Telefon-PIN abgebildet. Man loggt sich also ein und muss dann den Identifier wechseln. Schliesslich muss der mobile TAN aktiviert werden, wobei man den SuperPIN eingeben muss. Also auch hier dringender Vereinfachungsbedarf!

 

Hat man dann endlich geschafft sich einzuloggen, blickt einem eine ziemlich hässliche Benutzeroberfläche entgegen. Auch hier ist leider nichts smartes zu erkennen. Eine graue Schriftwüste mit katastrophaler Formatierung. Und selbst für das Einsehen von Dokumenten im Postmanager muss man sich per mobile TAN einloggen.

Benutzeroberfläche Smartbroker
Benutzeroberfläche Smartbroker

Überweisung und Währungstausch

Ich habe bei der Eröffnung angegeben, dass ich zusätzlich ein USD- und ein CHF-Konto wünsche. Leider konnte ich weder von meinem Zak-Konto noch von meinem neon-Konto Schweizerfranken auf dieses Konto überweisen. Sobald ich eine deutsche IBAN eingegeben habe, hat es mir die Währung automatisch auf Euro eingestellt. Mit Revolut ist es mir aber schliesslich gelungen Schweizerfranken auf mein Schweizerfranken-Konto bei Smartbroker zu überweisen. Ich habe CHF 50.00 überwiesen und der gesamte Betrag kam auf dem Konto von Smartbroker an.

Der Währungstausch gestaltet sich recht einfach. Unter "Konto", "Devisentransaktion" kannst du eine Umwandlung in die Wege leiten. Für den Tausch von Schweizerfranken in Euro wird ein Kursaufschlag bzw. -abschlag von 0.2% erhoben. Bei anderen Währungsparen sind die Kursaufschläge bez. -abschläge teilweise höher. Das hält sich gerade noch so im Rahmen und ist günstiger, als wenn ich mit TransferWise eine Umwandlung und Überweisung durchgeführt hätte. Bei grösseren Beträgen kann TransferWise unter Umständen günstiger sein.

Devisenkassageschäft Smartbroker

Kundendienst

Der Kundendienst ist extrem langsam. Auf mehrere E-Mail-Anfragen warte ich bald über einen Monat. Wie sich der Kundendienst schlägt, kann ich also noch nicht beurteilen - bis jetzt kam keine einzige Antwort bei mir an. Nur eine Standardantwort, dass meine Anfrage "schnellstmöglich" bearbeitet wird.

Fazit

Der Eröffnungsprozess ist extrem altmodisch und umständlich. Ausser wenn du wieder einmal eine CD-Rom in der Hand halten willst, lohnt sich der Aufwand kaum 😉. Ausserdem ist Smartbroker nur in der Währung Euro wirklich kostengünstig. Du musst also immer eine manuelle Währungstransaktion von Schweizerfranken in Euro durchführen.

Wenn du es bequemer haben möchtest, dann solltest du dir Schweizer Robo-Advisor wie Selma anschauen. 

Attraktiv bei Smartbroker sind natürlich die kostenlosen Fondssparpläne ohne Ausgabeaufschlag. Für welchen aktiven Fonds ich mich entschieden habe und wie bei Smartbroker ein Sparplan eingerichtet werden kann, erfährst du in einem der folgenden Blogbeiträge.

HAst du Erfahrungen mit Smartbroker? Schreibe sie unten in die Kommentare.

Hast du Fragen zum Artikel oder wünschst du ein anderes Finanz-Thema detaillierter erläutert, dann schreib es unten in die Kommentare. Ich freue mich auf deine Anregungen und deine Meinung.


Transparenz und Disclaimer 

Für diesen Blogbeitrag wurde ich von niemandem bezahlt. Wenn du durch einen Link auf meiner Webseite bei Smartbroker ein Konto eröffnest, dann erhalte ich eine kleine Entschädigung. Damit hilfst du mir die Ausgaben für diesen Blog zu decken - danke.

 

Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, welche im schlimmsten Fall zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen können.

 

Sämtliche Veröffentlichungen, also Berichte, Darstellungen, Mitteilungen sowie Beiträge in Blogs auf dieser Website („Veröffentlichungen“) dienen ausschließlich der Information und stellen keine Handelsempfehlung hinsichtlich des Kaufs oder Verkaufs von Wertpapieren dar. Die Veröffentlichungen geben lediglich meine Meinung wieder. Ich übernehme trotz sorgfältiger Recherche keine Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit, und Aktualität der in den Veröffentlichungen enthaltenen Informationen.