· 

Ein Blick hinter die Kulissen von Selma

Patrik CEO Selma Finance

Ich treffe Patrik Schär, den Gründer und CEO von Selma Finance, auf einen Kaffee im Westhive Kitchen im Zürcher Kreis 5. Andere Gäste auf der Terrasse suchen Steckdosen für ihre Laptops oder schlürfen Cappuccino in Barista-Qualität. Im selben Gebäude ist auch ein Teil der Büros von Selma untergebracht während sich Produktentwicklung und Design in Finnland befinden.

Als Erstes bitte ich Patrik sich kurz vorzustellen und seinen Hintergrund zu erläutern. Er wuchs auf der Rigi auf, absolvierte eine KV-Lehre bei einer Bank, arbeitete bei verschiedenen Vermögensverwaltern und studierte danach an der Copenhagen Business School. In Kopenhagen kam er dann auch in Berührung mit verschiedenen Start-Ups und lernte dort eine in der Bankenwelt immer noch unübliche Herangehensweise, um neue Produkte zu entwickeln kennen. Klassischerweise bringen Banken ein Produkt auf den Markt und suchen dann Kunden dafür. In der Start-Up-Szene von Kopenhagen wurde der Kunde hingegen sehr früh in die Entwicklung von neuen Produkten einbezogen. Dies ist auch tief in der DNA von Selma verankert. So wurde zum Beispiel die Möglichkeit, sein Geld bei Selma in nachhaltige ETFs anzulegen, relativ früh aufgrund von Kundenfeedbacks implementiert. Weitere häufige Kundenwünsche sind auf der open Roadmap zu finden.

Die Anfänge

Am Anfang von Selma stand ein ETF-Finder. Mitgründerin Valeria fand dann allerdings, dass dieser ETF-Finder alleine das Problem der komplexen und unzugänglichen Finanzsprache nicht lösen könne und so wurde aus dem ETF-Finder die digitale Finanzberaterin Selma entwickelt. Ein grosses Augenmerk lag von Beginn an auf Einfachheit und Unkompliziertheit.

Im Gespräch mit potenziellen Kunden merkten die GründerInnen früh, dass viele Schweizerinnen und Schweizer ihr Geld entweder auf dem Bankkonto horten, nebenher eventuell eine bis zwei Aktien besitzen oder mehrere Fonds haben, die jedoch nicht aufeinander abgestimmt sind. Das Interesse zu investieren und sein Geld nicht einfach auf dem Konto herumliegen zu lassen, ist zwar vorhanden, jedoch sind die Produkte und deren Vermarktung oft abschreckend. Sowohl die Begrifflichkeiten, als auch die intransparente Kostenstruktur schrecken potenzielle Kundinnen und Kunden ab. Ausserdem ist die Aufmachung der Banken und deren Räumlichkeiten eher einschüchternd als ermutigend. Nach einem ersten Versuch, mehr aus seinem Geld zu machen, resignieren viele und lassen es weiterhin auf dem Sparkonto liegen.

Ganzheitliche Vermögensverwaltung

Der Selma-Crew ist auch aufgefallen, dass bei klassischen Banken oftmals die gesamte Vermögensstruktur nicht im Mittelpunkt steht. Was auch schwierig ist, hat eine Bankberaterin oder ein Bankberater in einer traditionellen Bank hunderte Kunden zu betreuen und kann kaum auf jeden individuell eingehen. Schon gar nicht, wenn dieser „nur“ CHF 5‘000 mitbringt. Und hier setzt Selma an. Durch die Digitalisierung ist es nun auch möglich, dass Kunden mit relativ kleinem Vermögen (bei Selma aktuell ab CHF 2’000) von einer ganzheitlichen Vermögensverwaltung profitieren können. Mittels Fragen in einem Chat ermittelt Selma bei der Eröffnung der Kundenbeziehung das Investorprofil, stellt die finanzielle Situation dar und berechnet einen individuellen Vermögensplan . Im Profil wird nach der Vermögenssituation und den finanziellen Plänen der nächsten drei Jahre gefragt. Ändern sich diese, weil zum Beispiel der Kauf eines Autos ansteht oder im neuen Job mehr verdient wird, kann der Kunde dies jederzeit ergänzen. Selma passt dann automatisch den Investmentplan an.

Selma bietet ja nicht nur die freie Anlage, sondern ebenfalls die gebundene Vorsorge per Säule 3a an. Ein Vorteil beides unter einem Hut zu bewirtschaften ist, dass die Vermögenswerte als Gesamtheit betrachtet werden können. Insofern ergebe auch der hohe Schweiz-Anteil und das komplette Ausschliessen der Schwellenländer in der Säule 3a Sinn, merkt Patrik an. Denn im freien Anlagebereich sei die Schweiz viel weniger hoch gewichtet und die Schwellenländer umso mehr.

Auf die Frage, wie er denn momentan investiere, meinte er lachend, dass er auch mit Selma anlegt, seine Vermögensstruktur momentan nicht optimal sei, da er den Grossteil seines Vermögens in seine Unternehmung Selma investiert habe. 

Gibt es die Wirklich?

Als nächstes will ich wissen, was häufige Fragen von zukünftigen Kundinnen und Kunden seien. Obwohl du nun auch bereits seit 2017 dein Geld mit Selma Finance anlegen kannst, ist das im Vergleich zu bekannten Schweizer Traditionsbanken noch nicht so lange, insofern erstaunt es nicht, dass einige zukünftige Kunden zuerst einmal das Telefon zur Hand nehmen und bei Selma anrufen, um zu testen, ob da wirklich jemand rangeht. Wenn die Person am anderen Ende dann auch noch Schweizerdeutsch versteht, beseitigt das Misstrauen dann vollends.

Bei der Eröffnung wird für jeden Kunden ein Konto bei der Saxo Bank eröffnet. Du erhältst dort eine eigene IBAN-Nummer, auf die du dein Geld überweist und die gekauften ETFs werden in deinem Namen bei der Saxo Bank (Schweiz) gehalten. Der Kunde verliert seine Anlagen somit nicht, auch wenn Selma im schlimmsten Fall Konkurs gehen würde. 

Der Name Saxo dürfte den meisten kein Begriff sein. Die 1992 in Dänemark gegründete Saxo Bank ist hauptsächlich bei Tradern mit grossem Handelsvolumen bekannt. Dadurch verfügt sie über eine hochleistungsfähige Infrastruktur, die auch nötig ist, um alle Kundenaufträge von Selma effizient ausführen zu können. Dies war dann auch einer der Gründe, warum sich Selma Finance für diese Bank entschieden hat, wie Patrik Schär erzählt. Auch bei der Saxo Bank Schweiz, die übrigens durch die FINMA reguliert wird, gilt die Schweizerische Einlagensicherung auf Kundeneinlagen (Cash) von CHF 100‘000 und Anlagen würden im gehören nicht der Bank sondern dem Anleger.

Corona

Schliesslich kommen wir noch auf die Auswirkungen von Corona auf die Finanzmärkte zu sprechen. Mich interessiert, wie sich die Kunden verhalten haben und ob ein erhöhter Beratungsbedarf dadurch entstanden sei. Die wenigsten Kunden hätten während der Abwärtsphase aktiv eingegriffen, eher das Gegenteil sei zu beobachten gewesen. Einige hätten im März und April mehr investiert und der Grossteil habe seinen Sparplan weiterlaufen lassen. Überhaupt überweise etwa die Hälfte der Kundinnen und Kunden monatlich Geld und würden Selma Finance als kostengünstigen ETF-Sparplan nutzen, während die andere Hälfte Einmaleinlagen mache und dann unregelmässig aufstocke.

 

Da Selma bereits bei der Gründung digital aufgestellt war, bedeutete der Lockdown für das Arbeitsverhalten und die Kommunikation mit den Kunden keine grosse Umstellung. Einzig die Live-Veranstaltungen, bei denen man mit dem Selma-Team in direkten Kontakt treten kann, mussten abgesagt werden. Im Gegenzug wurden dafür neu Webinars organisiert. 

Im März wurden den Kunden E-Mails gesendet, in denen darauf eingegangen wurde, was Unsicherheiten an den Finanzmärkten für langfristige AnlegerInnen bedeuten und wie Selma in Krisenzeiten das Geld anlegt. So sei das Beratungsbedürfnis gar nicht grösser geworden. Bei der Anzahl der Kontoeröffnungen habe man jedoch auch bei Selma eine leichte Zunahme feststellen können.

Mit dem Corona-Kurssturz wurde der Anlage-Algorithmus in unruhigen Börsenphasen auf die Probe gestellt und man sei mit dem Ergebnis zufrieden gewesen. Selma habe wie erwartet reagiert und auch die eingebauten Sicherheits- und Kontrollmechanismen (z.B. bei übermässigem Anstieg der Spreads) hätten zuverlässig funktioniert. 

Monatliche ETF-Sparpläne

Spannend fand ich auch die Sparmotivation der Anlegerinnen und Anlegern. Die eine Hälfte würde auf ein bestimmtes finanzielles Ziel oder eine Anschaffung sparen, die andere Hälfte würde einfach mal anlegen, sei es, weil es lukrativer ist, als ein Sparkonto oder als freie Vorsorge für die Zeit nach der Pensionierung.

 

Die eingesetzten ETFs haben ganz bestimmten Kriterien zu entsprechen, damit sie Selma Finance überhaupt in Betracht zieht und so können Kunden auch nicht irgendeinen ETF ihrem Investmenplaneten bei Selma hinzufügen. Ebenso können nicht eigene Gewichtungen vorgenommen werden. Bei entsprechender Risikobereitschaft besteht jedoch die Möglichkeit, dass du Obligationen ganz ausschliesst. Im Rahmen eines nachhaltigen Portfolios kannst du zum Beispiel auch komplett auf Edelmetalle verzichten.

Ausblick

Mein Cappuccino ist mittlerweile leer und ich will von Patrik noch wissen, worauf sich die Kunden als nächstes freuen dürfen. Noch dieses Jahr soll eine Smartphone App auf den Markt kommen, die zusammen mit den Benutzern laufend weiterentwickelt wird. Andere Neuerungen sind noch nicht spruchreif, aber du erfährst hier und auf Instagram natürlich laufend, wie sich mein Investmentplanet bei Selma weiterentwickelt und welche Neuerungen anstehen.

 

Zum Schluss zeige ich Patrik eine für mich unverständliche Transaktionsbezeichnung in meinem Selma-Konto und frage ihn, ob er mir diese Transaktion erklären könne. Dies kann er dann auch umgehend, bittet mich die Transaktionsbezeichnung noch einmal zu zeigen, klappt seinen Laptop auf und mach sich Notizen. Auch nach fast vier Jahren ist Selma Finance immer noch nahe am Kunden dran.

"Finanzdepotium"-Update

Und noch kurz mein regelmässiges Update zu meinem nachhaltigen Investmentplaneten bei Selma:

Es wurden die ersten grösseren Umschichtungen vorgenommen und Anteile von Amerika- und Schwellenländer-ETFs verkauft, sowie im Gegenzug Schweizer und Japanische ETFs gekauft. Neuerdings wurden die Edelmetalle Gold und Silber gekauft. Wie immer wird dies vor und nach der Transaktion übersichtlich und transparent im Selma Log und danach in der Transaktionsliste dargestellt.

Ich selbst habe noch am selben Tag des Gesprächs den Betrag, den ich monatlichen auf mein Konto bei Selma Finance überweise, erhöht und eine Einmalzahlung vorgenommen.

Ich war lange Zeit ehrlich gesagt skeptisch gegenüber Robo-Advisors. Sie waren mir zu teuer und wollte lieber selbst bestimmen, was in mein Portfolio kommt. Aber seit ich ein Konto bei Selma eröffnet habe und etwas hinter die Kulissen schauen konnte, bin ich immer mehr von der Einfachheit und Kosteneffizienz begeistert.

Das klingt jetzt, als wäre ich für den Artikel oder zumindest den letzten Abschnitt bezahlt worden - doch nein, das wurde ich nicht. Na ja, das stimmt nicht ganz, den Cappucino hat Patrik bezahlt. Aber die Initiative für das Treffen habe ich ergriffen und mein Geld bei Selma ist auch mein eigenes Geld.

 

Sicher gibt es auch noch andere gute Schweizer online Vermögensverwalter, so zum Beispiel Descartes Finance oder True Wealth. Am besten schaust du dir deren Websites an, informierst dich über die Kosten, schaust, ob du verstehst, was sie schreiben und entschiedest dich dann für einen Robo-Advisor. Verstehst du etwas nicht, sind viele Anbieter auch gerne bereit dir Auskunft zu geben - so merkst du recht schnell, ob du den für dich richtigen Anbieter gefunden hast.

profitieren

SELMA

  • Eröffne deine Säule 3a bei Selma mit diesem Link oder nutze bei der Eröffnung den Code 711e8831c und du bezahlst in den ersten zwölf Monaten auf CHF 5’000 keine Gebühren - das entspricht CHF 34.00.

Welche Erfahrungen hast du mit Digitalen Vermögensverwaltern gemacht? Schreibe deine Erlebnisse unten in die Kommentare.

Hast du Fragen zum Artikel oder wünschst du ein anderes Finanz-Thema detaillierter erläutert, dann schreib es unten in die Kommentare. Ich freue mich auf deine Anregungen und deine Meinung.


Transparenz und Disclaimer 

Für diesen Blogbeitrag wurde ich von niemandem bezahlt. Wenn du durch einen Link auf meiner Webseite bez. mit einem Code von mir bei Selma ein Konto eröffnest, dann erhalte ich eine Entschädigung. Damit hilfst du mir die Ausgaben für diesen Blog zu decken - danke.

 

Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, welche im schlimmsten Fall zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen können.

 

Sämtliche Veröffentlichungen, also Berichte, Darstellungen, Mitteilungen sowie Beiträge in Blogs auf dieser Website („Veröffentlichungen“) dienen ausschließlich der Information und stellen keine Handelsempfehlung hinsichtlich des Kaufs oder Verkaufs von Wertpapieren dar. Die Veröffentlichungen geben lediglich meine Meinung wieder. Ich übernehme trotz sorgfältiger Recherche keine Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit, und Aktualität der in den Veröffentlichungen enthaltenen Informationen.