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Spielt die 164 Jahre alte Credit Suisse mit CSX App?

 

Leider konnte ich das neue digitale Bankangebot CSX nicht zu Hause auf meinem Smartphone testen, jedoch wurde ich von der Credit Suisse zu einer guided Session in die Europaallee eingeladen. Ich in einer Geschäftsstelle einer Bank - das gab es schon länger nicht mehr.

Die neue Geschäftsstelle der Credit Suisse an der Europaallee in Zürich ist dann auch nicht mehr so einschüchternd wie die Schalterhalle im Film „Mary Poppins“ aus dem Jahre 1964.

In zentraler Lage, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs, wurde Ende August die erste Filiale des neuen Geschäftsstellen-Konzepts eröffnet. Die Räume sind offen, hell und bieten neben „Digital Bars“, welche für die persönliche Finanzberatung genutzt werden, auch einen Co-Working-Bereich und eine Eventzone. Das wirkt erheblich jünger als traditionelle Bankfilialen, ist aber dennoch weit entfernt von der Direktheit und dem manchmal flapsigen Tonfall der Neo-Banken wie neon oder Yapeal.

Pakete

Doch kommen wir zu den Produkten. Ab Ende Oktober werden drei Pakete angeboten:

  • CSX Black“ kostet pro Monat CHF 3.95 und beinhaltet neben dem Konto eine Debit-Mastercard sowie kostenlose Bargeldbezüge an Geldautomaten der Credit Suisse. Die Auslandsgebühren wurden gesenkt, so wird die Gebühr von 2.5% für Fremdwährungs- oder Auslandtransaktionen nicht mehr verrechnet. Was bleibt, ist der Aufschlag auf dem Währungskurs. Ich habe ungelogen über eine Viertelstunde versucht, die Höhe dieses prozentualen Aufschlags auf der bestehenden Credit Suisse Website ausfindig zu machen, was mir jedoch nicht gelang. Dass der Umtausch etwas kostet, finde ich legitim, aber ich will vor der Transaktion sehen, wie viel mich dieser Aufschlag kostet. Ob CSX so transparent ist, wird sich zeigen.
  • CSX White“ ist gratis und unterscheidet sich nur dadurch, dass auch Bargeldbezüge an bankeigenen Automaten CHF 2 pro Bezug kosten. Ich selbst werde mich sicher für CSX White entscheiden, denn seit März 2020 habe ich kein Geld mehr abgehoben.
  • Für Kundinnen und Kunden von 12 bis 25 Jahren sind mit dem kostenfreien Angebot „CSX Young“ Bargeldbezüge an allen Schweizer Geldautomaten gratis und es werden Rabatte auf Kinoeintritte und Streaming-Abos gewährt. Die Kooperationspartner werden erst beim Launch am 26. Oktober bekanntgegeben. Es würde mich nicht wundern, wenn dies ein grosser Telekommunikationsanbieter, der kürzlich seine Unterhaltungsangebote unter der Farbe Blau gebündelt hat, sein wird.

Im Vergleich zu der Bonviva-Welt mit Schlüsselfundservice, American Express Selects, Mastercard Priceless Cities, Verkehrsmittel-Unfallversicherung, Such-, Rettungs- und Bergungskosten und Bonviva Prämienwelt, die wie eine überbordende Kaffeefahrt mit wildgewordenem Verkäufer wirkt (fehlt nur noch ein jodelnder Roger Federer), kommt CSX also erfrischend schlank daher. 

Der Eröffnungsprozess

CSX Eröffnungs-Chat

Anhand von verschiedenen Fragen wird man durch den Eröffnungsprozess geführt. Dieser ist einem Chat nachempfunden. Dass die fiktive Chatpartnerin im Chat mit einem Foto dargestellt wird, finde ich etwas albern, aber das soll wohl Nähe und Vertrauen schaffen. 

Zu Beginn werden die Voraussetzung angezeigt, die erfüllt sein müssen, damit ein Konto eröffnet werden kann. Kurze Textstücke werden von einfach gehaltenen Symbolen angeführt. Dies hat alles auf einem App-Screen Platz und füllt nicht mehrere A4-Seiten. Ebenfalls wird die US-Steuersituation auf einem Screen abgehandelt.

 

Zum Ausfüllen der Adressdaten greift CSX auf die Datenbank der Post zu. Wird zum Beispiel Paradeplatz eingegeben, weiss die Anwendung, dass sich dieser in 8001 Zürich befindet. Nur die Strassennummer muss dann aus Datenschutzgründen noch eingegeben werden - das Ausfüllen geht entsprechend schnell. Des Weiteren muss der Arbeitgeber angegeben werden. CSX greift dabei auf die Daten des Handelsregisters zurück. Dort sind die Adressdaten des Arbeitgebers hinterlegt und müssen nicht mühsam eingetippt werden.

 

Als Nächstes erfolgt die Identifikation per Video-Call. Die Credit Suisse arbeitet dabei mit der Swisscom zusammen. Andere Verfahren werden folgen, sobald deren Sicherheit den Anforderungen der CS entsprechen.

 

Das Konto steht, im Unterschied zu anderen Anbietern, die nach der Eröffnung in der App noch zwei bis drei Tage für die Bearbeitung benötigen, nach dem Video-Call unmittelbar bereit.

Banking

CSX Kartenmanagement

Bei der Live-Demonstration klappte die Überweisung mittels QR-Code, der extrem schnell gelesen wird und das Abtippen der Konto- und Adressdaten erübrigt, von einem CSX-Konto zum anderen innerhalb von Minuten. Der Geldausgang und der -eingang werden per Push-Mitteilung signalisiert. Jetzt müssen nur noch die Rechnungssteller umstellen. Ich selbst habe noch keine QR-Rechnung erhalten. Natürlich können auch die „alten“, orangen Einzahlungsscheine gelesen werden. Und eBill ist ebenfalls verfügbar.

 

Mobiles Bezahlen mit Apple Pay oder Samsung Pay soll, sobald der Kartenherausgeber Six bereit ist, angeboten werden. In der Zwischenzeit kann auf das langsame Twint zurückgegriffen werden.

 

Was ich noch bei keiner Banking-App so umfangreich gesehen habe, ist das Kartenmanagement. Länder, in denen die Karte nicht eingesetzt werden soll, können einfach per Slider angewählt werden. Die Debitkarte kann in der App für Online-Zahlungen gesperrt werden, die Cashless-Funktion und Bargeldabhebungen können einfach selbst deaktiviert werden. Auch lassen sich individuelle Ausgabelimits festlegen. Hier ist die CS den anderen Anbietern - auch der Konkurrenz aus dem Ausland - einen Schritt voraus.

Vorsorge & Finanzplanung

CSX Visualisierung nach der Pensionierung

Neben einem Konto bietet CSX eine digitale Finanzplanung an. Auch dies habe ich so noch in keiner Banking-App integriert gesehen.

Wie bei der Eröffnung leitet ein Chat durch die verschiedenen Fragen. Neben seinem Gehalt, Geldern bei anderen Finanzinstituten und sonstigen Vermögenswerten wie Wohnungen oder Häusern, gibt man ebenfalls seine Daten aus dem Pensionskassenausweis ein. Den dürften die wenigsten so gut kennen, dass sie die Daten einfach so übertragen können. CSX bietet dafür einen Scan innerhalb der App an. Das Dokument wird gescannt und die benötigten Zahlen werden automatisch in die richtigen Felder eingesetzt. Bei der Demonstration funktioniert das einwandfrei und soll auch mit anderen Pensionskassenausweisen als die der CS zuverlässig funktionieren - ich freue mich aufs Testen mit meinem eigenen. Schliesslich gibt man mittels eines Schiebereglers sein Alter bei der Pensionierung an und erhält dann umgehend eine grafische Darstellung, die sowohl den Spar- als auch den Entsparprozess, also die Zeit nach der Erwerbstätigkeit, anzeigt. Die vorher eingegebenen Daten kann man immer wieder verändern und sieht direkt, welchen Einfluss dies auf das Vermögen hat.

 

Natürlich werden den Kundinnen und Kunden dann auch Produkte vorgeschlagen, mit denen man seine Vorsorgelücke schliessen kann. So kann direkt in der App eine dritte Säule abgeschlossen werden. Die Credit Suisse hat ihr digitales Angebot nicht auf der grünen Wiese erstellt, sondern greift auf ihre bestehende Infrastruktur und einige ihrer existierenden Produkte zurück. Im Bereich der Säule 3a ist dies ihre bereits bestehende CSA-Mixta-BVG-Palette.

 

Der passiv gemanagte „CSA-Mixta-BVG Index 75“ Fonds mit der höchsten verfügbaren Aktienquote weist eine TER (Total Expense Ratio) von 1% auf - plus Ausgabeaufschlag von 0.13% und Rücknahmeaufschlag von 0.05%. Der aktiv gemanagte Fonds weist eine TER von recht hohen 1.48% auf. Die eingesetzten Fonds legen das Geld nachhaltig an. Bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit dient die ESG-Klassifikation, die in den Anlage-Factsheets erfreulich transparent dargestellt wird. Günstigere Anbieter habe ich dir ja bereits hier vorgestellt.

Investieren

Auch hier werden die drei Strategien mit einfach gehaltenen Symbolen dargestellt. Vom Spaziergänger über einen Wanderer bis zum Bergsteiger sind drei Strategien erhältlich, die sich unter anderem durch den Aktienanteil unterscheiden. Diese Fonds wurden extra für CSX zusammengestellt und waren bislang noch nicht erhältlich, wobei alle drei Strategien nur nachhaltige Produkte enthalten.

Zum Ermitteln, welche Strategie die geeignete ist, werden - wieder im Chat-Design - Fragen zur Risikotoleranz gestellt. Diese Fragen waren für meinen Geschmack manchmal sehr abstrakt und trocken. Hier schimmert das alte Dickschiff Credit Suisse durch.

 

Die Höhe der TER war bei der Demonstration noch nicht definitiv, sicher werde ich nach dem Launch noch einmal einen Blick darauf werfen. Jedenfalls soll das Investieren ab CHF 100 möglich sein und neben einer Einmaleinlage kann für das regelmässige Fondssparen ein monatlicher Beitrag festgelegt werden. Natürlich kann am Ende dafür auch gleich mit einem Fingertipp ein Dauerauftrag eingerichtet werden, schliesslich befindet sich alles in einem Ökosystem.

Finanzieren

Schliesslich sollen auch Hypotheken in der CSX-App abgeschlossen und verlängert werden können. Wurde bereits eine Finanzplanung durchgeführt, dann kennt die App schon viele Zahlen, die selbstverständlich übernommen werden. Die restlichen Angaben zum Objekt werden nun abgefragt. Ob das Objekt tragbar ist und die CS die Finanzierung übernimmt, steht am Ende des Prozesses direkt fest

Zum Neuabschluss einer Hypothek werden einem die Eröffnungsunterlagen immer noch per Post zugeschickt und es ist eine physische Unterschrift nötig. In den nächsten Monaten soll sich dies ändern.

Dieses Feature soll zusammen mit „Investieren“ nicht bereits ab dem 26. Oktober verfügbar sein, sondern erst in einem späteren Release ab circa Mitte November.

Support

Mehrmals während der Demonstration wurde betont, dass die Filialen weiterhin bestehen bleiben und als Ergänzung und zur persönlichen Beratung dienen. Dies steht im Gegensatz zu Challenger-Banken, die rein digital aufgestellt sind. Ehrlich gesagt, weiss ich nicht, aus welchem Grund ich noch eine Filiale aufsuchen sollte.

Überhaupt wird viel Wert auf Support gelegt, so wird in der App diesem Bereich viel Platz eingeräumt. Videos sollen zu einem späteren Zeitpunkt die schriftlichen Ausführungen ergänzen. Haben die Kundinnen und Kunden dann dennoch weitergehende Fragen, kann zum Telefon gegriffen werden. Je nach Themengebiet können die Anrufenden direkt mit dem jeweiligen Spezialistenteam sprechen, ohne über den allgemeinen Telefonsupport geleitet zu werden.

Fazit

Macht CSX also „Schluss mit Apps, die Banken spielen“? Na ja, die Credit Suisse macht Schluss mit Banken, die glauben, eine App anzubieten genüge in der heutigen Zeit. Es ist ein schöner Meilenstein für die traditionellen Banken, an dem sich diese nun messen lassen müssen. Und für Kunden ist ein ernstzunehmender Anbieter mehr auf dem Markt, der dazu beiträgt, dass die Preise tief bleiben.

Mit dem reinen Konto und insbesondere der Debit-Mastercard und deren Steuermöglichkeiten bin ich voll dabei. Die Bereiche Vorsorge und Investieren habe ich schon günstiger, innovativer und einfacher gesehen.

Aus Bequemlichkeit alles in einer App gebündelt zu haben, kann für einige Kunden sicher die richtige Lösung sein. Ich selbst beziehe die Dienstleistungen lieber bei verschiedenen Anbietern, so habe ich exakt dasjenige Produkt, das ich will.

 

Nein, auch für diesen Beitrag wurde ich nicht bezahlt. Die Initiative, das Produkt testen zu wollen, kam von mir.

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